Die erste Chorprobe nach der Sommerpause: 8 Ideen für einen guten Neustart
Nach mehreren Wochen Pause wieder gemeinsam starten: Mit diesen acht Ideen gelingt die erste Chorprobe nach der Sommerpause entspannt, musikalisch und mit viel Vorfreude auf die neue Saison.
Die Sommerpause ist vorbei. Nach mehreren Wochen ohne gemeinsame Probe trifft sich der Chor endlich wieder. Es gibt viel zu erzählen, die Stimmen fühlen sich vielleicht noch ein bisschen eingerostet an und irgendwo wartet schon das nächste Konzert.
Natürlich könnte man jetzt die Noten aufschlagen und genau an der Stelle weitermachen, an der man vor der Pause aufgehört hat.
Aber muss die erste Chorprobe nach der Sommerpause wirklich besonders produktiv sein?
Ich finde: nein.
Die erste Probe darf vor allem eines schaffen: Dass der Chor wieder zusammenfindet und alle Lust auf die neue Saison bekommen.
Hier sind acht Ideen, die dabei helfen können.
1. Gebt dem Wiedersehen Raum
Nach mehreren Wochen Pause haben sich die Menschen im Chor einiges zu erzählen. Urlaub, Familie, Erlebnisse – und vielleicht hat man manche Chormitglieder tatsächlich seit der letzten Probe vor der Sommerpause nicht mehr gesehen.
Das kann man als Chorleitung natürlich möglichst schnell unterbrechen, damit endlich Ruhe ist und die Probe anfangen kann.
Oder man plant es einfach ein.
Denn ein Chor ist nicht nur eine Gruppe von Menschen, die zufällig gleichzeitig dieselben Noten singt. Das soziale Miteinander gehört dazu.
Die ersten zehn Minuten müssen deshalb nicht die effizientesten zehn Minuten des Abends sein.
Vielleicht sind sie trotzdem gut investiert.
2. Nehmt euch Zeit zum Ankommen und Einsingen
Nach einer längeren Pause fühlt sich die Stimme möglicherweise anders an als mitten in einer intensiven Probenphase.
Deshalb würde ich bei der ersten Probe nicht versuchen, das Einsingen möglichst schnell abzuhaken. Es darf diesmal ruhig etwas länger dauern.
Dabei muss das Einsingen nicht nur aus Tonleitern bestehen.
Bewegung, Lockerungsübungen, Rhythmus, kleine Improvisationen oder Übungen, bei denen die Sängerinnen und Sänger aufeinander reagieren müssen, können helfen, wieder gemeinsam in den „Chormodus“ zu kommen.
Es geht nicht nur darum, die Stimme aufzuwärmen.
Auch Ohren, Körper und Aufmerksamkeit müssen sich wieder daran gewöhnen, Teil eines Ensembles zu sein.
3. Startet mit einem Stück, das richtig Spaß macht
Die schwierigste Stelle aus dem kompliziertesten Stück wäre vermutlich ein denkbar schlechter Einstieg.
Warum nicht stattdessen ein Stück nehmen, das der Chor gerne singt und schon ziemlich gut kann?
Nach wenigen Takten passiert dann hoffentlich etwas Schönes: Der Chorklang ist wieder da.
Vielleicht noch nicht ganz so sicher wie vor der Pause. Vielleicht fehlt hier und da ein Einsatz. Aber dieses Gefühl, gemeinsam Musik zu machen, stellt sich schnell wieder ein.
Ein Erfolgserlebnis am Anfang kann für die Stimmung der gesamten Probe mehr bringen als 30 Minuten hochkonzentrierte Detailarbeit.
Die Baustellen laufen schließlich nicht weg.
4. Schaut, was vom alten Repertoire noch da ist
Nach vier, fünf oder sechs Wochen Pause ist die erste Probe auch eine interessante Bestandsaufnahme.
Was funktioniert noch erstaunlich gut?
Wo sind plötzlich Unsicherheiten?
Welche Stellen, von denen man vor der Sommerpause dachte, sie seien längst erledigt, sind doch wieder eine Baustelle?
Das muss kein Test sein.
Man kann einfach einige bekannte Stücke durchsingen und als Chorleitung genau zuhören.
Und vielleicht muss auch nicht jeder Fehler sofort korrigiert werden. Manchmal ist es hilfreicher, sich zunächst ein Bild davon zu machen, wo der Chor gerade steht.
Aus dieser ersten Probe ergibt sich dann fast automatisch, woran in den kommenden Wochen gearbeitet werden sollte.
5. Macht Appetit auf etwas Neues
Der Saisonstart ist ein schöner Zeitpunkt, um auch musikalisch nach vorne zu schauen.
Vielleicht liegt schon ein neues Stück bereit. Dann muss man es in der ersten Probe nicht unbedingt sofort von Takt 1 bis 30 einstudieren.
Man kann es auch erst einmal kennenlernen.
Gemeinsam die Aufnahme anhören. Über den Text sprechen. Den Refrain ausprobieren. Oder einfach erzählen, warum dieses Stück für das nächste Konzert ausgesucht wurde.
Das Ziel muss noch nicht sein, am Ende des Abends möglichst viele neue Töne gelernt zu haben.
Viel schöner ist es, wenn der Chor denkt:
„Darauf habe ich richtig Lust.“
6. Macht es neuen Mitgliedern besonders leicht
Nach der Sommerpause kommen in vielen Chören neue Sängerinnen und Sänger dazu.
Für die Stammmitglieder ist die erste Probe ein Wiedersehen. Für jemanden Neues ist sie möglicherweise der erste Kontakt mit einer Gruppe, in der sich alle anderen schon seit Jahren kennen.
Das kann ziemlich einschüchternd sein.
Deshalb lohnt es sich, gerade an diesem Abend besonders darauf zu achten, neue Mitglieder mitzunehmen.
Wo sitzt welche Stimme? Wo bekommt man Noten? Wie läuft eine Probe normalerweise ab? Wann macht ihr Pause? Wen kann man fragen, wenn etwas fehlt?
Und vor allem: Kennt jemand den Namen des neuen Menschen und spricht mit ihm?
Kleine Dinge können einen erstaunlich großen Unterschied machen.
Vielleicht kann ein erfahrenes Chormitglied bewusst neben dem neuen Sänger oder der neuen Sängerin sitzen. Vielleicht stellt man neue Mitglieder kurz vor. Vielleicht sorgt man schon vor der Probe dafür, dass alle benötigten Materialien bereitliegen.
Niemand sollte nach der ersten Probe nach Hause gehen und das Gefühl haben, irgendwie nur daneben gesessen zu haben.
7. Plant eine Pause zum Austauschen ein
Gerade bei der ersten Probe nach der Sommerpause würde ich eine richtige Pause einplanen – auch dann, wenn ihr sonst vielleicht zwei Stunden ohne Unterbrechung probt.
Denn natürlich wollen sich die Leute austauschen.
Wer war wo im Urlaub? Was ist in den letzten Wochen passiert? Wie war die freie Zeit? Und manche haben sich vielleicht tatsächlich seit sechs Wochen nicht mehr gesehen.
Wenn dafür während der Probe überhaupt kein Raum ist, passiert der Austausch trotzdem – nur eben zwischen zwei Stücken, während Noten verteilt werden oder während eine andere Stimme gerade probt.
Eine gemeinsame Pause nimmt diesen Druck aus der Probe.
Vielleicht gibt es etwas zu trinken, jemand hat noch Kekse vom Urlaub übrig oder ihr steht einfach zehn Minuten zusammen. Es muss daraus kein großes Sommerfest werden.
Als Chorleitung muss man dabei auch nicht das Gefühl haben, wertvolle Probenzeit zu verlieren. Ein Chor lebt schließlich nicht nur davon, dass alle ihre Töne können. Er lebt auch davon, dass die Menschen gerne zusammenkommen.
Und nach mehreren Wochen Pause darf genau das ruhig ein bisschen Platz bekommen.
8. Macht Lust auf das, was kommt
Irgendwann muss natürlich auch über Termine gesprochen werden.
Aber der Ausblick auf die neue Saison muss keine zwanzigminütige organisatorische Ansage sein.
Stattdessen kann man erzählen, worauf der Chor hinarbeitet.
Wann ist das nächste Konzert? Gibt es ein besonderes Projekt? Ein Probenwochenende? Eine Kooperation mit einem anderen Ensemble? Welches neue Repertoire wartet?
Es macht einen Unterschied, ob man sagt:
„Am 14. Dezember ist Konzert, schreibt euch das bitte auf.“
Oder ob man vermittelt:
„Darauf arbeiten wir in den nächsten Monaten gemeinsam hin.“
Ein gemeinsames Ziel gibt den kommenden Proben einen Rahmen – und im besten Fall etwas, auf das man sich freuen kann.
Die erste Probe muss nicht die produktivste des Jahres sein
Natürlich soll auch nach der Sommerpause wieder gearbeitet werden.
Aber vielleicht müssen nach der ersten Probe noch nicht alle schwierigen Stellen sitzen. Vielleicht muss auch noch nicht jedes neue Stück angefangen worden sein.
Nach mehreren Wochen Pause müssen Stimme, Ohren und Kopf erst wieder in den Probenalltag finden. Vor allem aber muss aus vielen einzelnen Sängerinnen und Sängern wieder ein Chor werden.
Wenn am Ende des Abends viel gelacht wurde, ein paar bekannte Stücke wieder richtig gut geklungen haben, die neuen Mitglieder sich willkommen fühlen und alle wissen, worauf sie in den kommenden Monaten hinarbeiten, dann ist schon ziemlich viel erreicht.
Und wenn die Sängerinnen und Sänger beim Rausgehen denken:
„Endlich wieder Chor. Ich freue mich auf nächste Woche.“
… dann war es vermutlich eine ziemlich gute erste Probe.
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